6. Februar 2011

Concertgebouworkest Amsterdam – Mariss Jansons.
Laeiszhalle Hamburg.

20:00 Uhr, Parkett links, Reihe 5, Platz 16


Gioachino Rossini – Ouvertüre zu „Die Italienerin in Algier“
Wolfgang Amadeus Mozart – Klavierkonzert c-Moll KV 491
(Leif Ove Andsness)
Zugabe: Frederic Chopin – Grande valse brillante op. 42

(Pause)


Richard Wagner – Tristan-Vorspiel und Liebestod
Richard Strauss – Rosenkavalier-Suite
Zugaben:
Wolfgang Amadeus Mozart – Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“
Richard Wagner – Lohengrin-Vorspiel 3. Akt



Selten hat sich ein Orchester von meinem Stammplatz aus so gut angehört. Sehr fein, edel, warm, virtuos, leicht, samtig. Der „bratschige“ Streicherklang, den ich von Aufnahmen her kenne, fällt nicht so stark auf. Rossini: so wendig elegant, so transparent. Phänomenale Holzbläser (beste Piccolo aller Zeiten). Und noch einmal: Der Klang kommt außergewöhnlich gut rüber - keine Spur von der „problematischen“ Laeiszhallen-Akustik. Ist das Concertgebouw ähnlich gebaut? Schneidig federndes Dirigat perfekt.

Mozart: Andsness hat vielleicht nicht den Sokolov-Anschlag, ist aber ein Top-Mann mit zwingender Interpretation. Eventuell eine Spur zu nüchtern. Das Orchester auch hier eine Wucht, ein Fürsprecher Mozarts vor meinem widerstrebenden Geschmack. Wagner: leider verbonbonraschelt und verhustet. Vielleicht nicht meine Lieblingsinterpretation (Sogwirkung), aber tadellos gemacht. Klangfarbenüberschwang. Luxusproblem: Die samtenen Streicher lassen im Fortissimo eben jene Schärfe vermissen, die mich gewöhnlich ins Mark trifft. Vielleicht war ich heute auch einfach nicht in Stimmung. Die Liebestod-Wirkung kam dann aber doch auf Bestellung. Das Orchester (und Jansons) schaffen eine enorme Dichte, ein phänomenales Volumen. Das ist der sprichwörtliche Druck, der von bloßer Lautstärke streng zu trennen ist.

Strauss: Die Vergleiche zum Dresdner Straussorchester drängen sich auf. Warm, dunkel, nie scharf – was eben gut und schlecht sein kann. Das Blech ist immer rund und voll aber nie forsch oder schmetternd. Die Zauberatmosphäre der silbernen Rose ist in bester, intonationsreinen Studioqualität zu bewundern. Generell eine Klangfarbenorgie sondergleichen. Und immer wieder: Dampf! Die Streicher treten als dunkle Einheit auf, sehr kompakt bzw. Homogen von den tiefen Streichern ausgehend. Ocker.

Zugaben: Mozart: Hätte eine Spur spritziger sein können (Solti); Wagner: bombig. Ein Posaunenfest ganz ohne „amerikanisches“ Geschmetter (das ich ja ebenfalls schätze), dennoch druckvoll. Die Laeiszhalle erfüllt von goldenem Klang. Beeindruckend. Randnotiz zu Jansons: ich denke nicht, daß er mein Lieblingswagnerdirigent wird, aber er ist ein großer Dirigent, allemal für Strauss.

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