9. Dezember 2012

Liederabend – Daniel Behle.
Laeiszhalle Hamburg, Kl. Saal.

19:30 Uhr, Parkett Mitte rechts, Reihe 10, Platz 8


















Franz Schubert – Die schöne Müllerin op. 25 / D795
Zugaben: Das Wandern / Am Feierabend / Ungeduld

(Daniel Behle – Tenor, Alexander Schmalcz – Klavier)



Wenn man in der U-Bahn nach Hause mit tauben Händen und pochendem Herzen sitzt, kann der Abend nicht ganz schlecht gewesen sein. Nun gibt es sicher generell schwächere Anwälte für die Musik als Schubert, aber selbst das Höchste will vermittelt werden. Und da kam heute Daniel Behle ins Spiel. Dachte ich anfangs noch, seine Stimme gerate neben dem allzu beherzt zupackenden Alexander Schmalcz etwas ins Hintertreffen, stellte sich doch sehr bald eine Balance zwischen beiden ein, die im Folgenden die Basis für einen Liederabend von größter Qualität und Intensität bildete.

Herr Behle besitzt eine dieser selten feinen, schlanken, dabei absolut durchsetzungsfähigen Tenorstimmen, mit denen der Liedvortrag zum lyrischen Triumph im doppelten Sinne wird. Wohlklang und Technik sind das eine, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zur Gestaltung in Dienste der zu transportierenden Botschaft – semantisch wie emotional – mindestens ebenso wichtig. Glücklicherweise fühlt man sich auch in dieser Beziehung beim Solisten des Abends sehr gut aufgehoben.

Und was hält dieser Zyklus für Momente bereit! „Der Neugierige“, „Tränenregen“ ... Allein die Vertonung der Zeile „Mein Schatz hat‘s Grün so gern“ in „Die liebe Farbe“ trägt in ihrem Changieren zwischen leidenschaftlicher Sehnsucht und bitterster Verzweiflung so viel leise Wucht im Herzen, daß es einen darüber fast zerreißen mag. Und dann der Schluß mit „Des Baches Wiegenlied“: „Blickt nicht herein, Blaue Blümelein! Ihr macht meinem Schläfer die Träume so schwer.“ Eine wissende, friedvolle Trauer um das Vergangene, ein gelöstes, gleichsam schwermütiges Erinnern, wie es vor allem dann bei Mahler wieder zu Tage treten sollte. Im Wissen um solche Musik liegt ein Trost, der schwer in Worte zu fassen ist.

1 Kommentar:

  1. Man wünschte, den Abend auch erlebt zu haben.

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