2. April 2017

Symphoniker Hamburg – Jeffrey Tate.
Laeiszhalle Hamburg.

19:00 Uhr, 1. Rang, Loge 5, Reihe 1, Platz 1



Richard Strauss – Schlußgesang aus „Salome“ op. 54
(Camilla Nylund – Sopran)


(Pause)

Richard Strauss – Eine Alpensinfonie op. 64



Gleich mal mit dem Salome-Finale den Abend zu starten, erscheint mir bezüglich des Spannungsbogens schon ein wenig gewagt – Kaltstart von Null auf Hundertachtzig binnen Sekunden. Wahrscheinlich liegen darin rein praktische Erwägungen. Wenn man schon das riesige Strauss-Orchester für die Sinfonie benötigt, die allein keine abendfüllende Angelegenheit darstellt, bleibt man halt bei der Programmbefüllung bei Strauss. Warum dann nicht gleich ein wenig konzertante Oper, darüber hinaus eine schöne Gelegenheit, einen hochkarätigen Gast zu präsentieren. Daß man dabei heute die erkrankte Petra Lang so kurzfristig mit Camilla Nylund ersetzen konnte, zeigt nur, wie weit der Ruf der Kombination Symphoniker/Tate mittlerweile gediehen ist – Respekt. Selbiger gebührt ebenso fraglos der Sängerin, die sich mit stimmlicher Durchsetzungskraft den dynamischen Ausbrüchen des Orchesters durchaus zu erwehren wusste, um dann gerade in den ruhigeren, intimen Momenten der Reflexion Salomes für anrührende Momente zu sorgen.

Mit der Alpensinfonie nach der Pause konnte man, wie erwartet, einer der langsamsten Besteigungen beiwohnen, an der ich bislang teilnehmen durfte. Was mitnichten als Kritik, sondern erneute Feststellung der Tateschen Gestaltung großer Bögen unter Berücksichtigung aller Schönheiten und Details der Partitur aufzufassen ist. Unglaublich, wie beispielsweise beim Erklimmen des Gipfels durch stetige Verlangsamung der sprichwörtliche Höhepunkt ins physisch kaum zu Verkraftende hinausgezögert und schließlich umso machtvoller zelebriert wird. Ob in den heftigsten Entladungen des Gewitters oder bei der alles in eine sehnsuchtsvolle Decke hüllenden Schlußverklärung bevor die Nacht anbricht – Tate und seine Symphoniker glänzen mit zwingender Dramaturgie sowie ausdrucksstarkem Spiel und beherrschen dabei das ganze Farbspektrum des Strauss-Sounds. Eine Sinfonie als Seelenwanderung – viel näher als heute wird man dem Kern dieser Dichtung in Musik wohl kaum gelangen.

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