10. Februar 2018

Jolanthe – Valery Gergiev.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 12 Bereich D, Reihe 3, Platz 4



Jolanthe / Lyrische Oper in einem Akt op. 69 – Peter Iljitsch Tschaikowsky
(konzertante Aufführung)
Musikalische Leitung – Valery Gergiev

Jolanthe, blinde Königstochter – Irina Churilova
Vaudémont, ein burgundischer Ritter – Najmiddin Mavlyanov
Robert, burgundischer Herzog – Alexei Markov
René, provenzalischer König – Stanislav Trofimov
Ibn-Hakia, maurischer Arzt – Roman Burdenko
Bertrand – Yuri Vorobiev
Alméric – Andrei Zorin
Brigitta, Jolanthes Freundin – Kira Loginova
Laura, Jolanthes Freundin – Yekaterina Sergeyeva
Martha, Jolanthes Amme – Natalia Yevstafieva

Chor und Orchester des Mariinski-Theaters


Leistungsschau St. Petersburg in Hamburg, oder: Herr Gergiev kann es einfach. Nach dem beeindruckenden Gastspiel mit seinem Münchner Orchester (Link) setzt der Chef des Mariinski in dieser Funktion noch einen drauf, indem er heute gewissermaßen die Quadratur des Kreises schafft – der perfekte Opernabend, ganz ohne Opernhaus.

Hatte ich im vergangenen Jahr bereits das Glück, mich in St. Petersburg an der Ausnahmequalität des Mariinski-Theaters (Link) berauschen lassen zu können, gelingt es Gergiev und seinen Musikern, die sicher nicht von Haus aus dankbare Akustik des großen Saales in vollendeter Weise zu nutzen, wie ich es zumindest von diesem Platz aus noch nicht erlebt habe. Sorgte die geringe Distanz zur Bühne auf 12 D mitunter schon für ein sehr direktes, ja schroffes Klangerlebnis, erringt Gergiev mit seinem Orchester einen Triumph des Wohlklangs. Feinste Nuancen, butterweiche, ansatzlose Klangwogen vom zartesten Pianissimo bis zum sattesten Tutti-Ausbruch, dabei nie die Sänger zudeckend.

Und ja, die Sänger. Was bleibt einem viel über solch ein Ensemble zu sagen. Einer der raren Glücksmomente, wo selbst die Nebenrollen mit Kapazitäten besetzt sind, die den Begriff Weltklasse mehr als rechtfertigen. Das Wiedersehen mit Roman Burdenko, der mir bereits bei meinem St. Petersburger Besuch aufgefallen war, steht hierfür exemplarisch. Verkörperte er im Boris Godunow den sinisteren Jesuiten so ungemein fesselnd, nutzt er diesmal die Nebenfigur des maurischen Arztes, um nachhaltig im musikalischen Gedächtnis zu bleiben. Seine Arie, eine Art stetiges drohendes Crescendo, gehört fraglos zu den Höhepunkten des Abends.

Obwohl fairerweise gesagt werden muss, dass dieser Abend reich an Höhepunkten war, orchestral wie sängerisch. Nahezu jeder Charakter erhält von Tschaikowsky zumindest eine ausladende Solostelle, und jeder der Künstler nutzt seine oder ihre Arie heute wirklich mit Bravour – sei es der König/Vater in seiner Sorge um die Tochter oder Robert in draufgängerischem Überschwang. Von den beiden Sängern des Traumpaares ganz zu schweigen. Die szenische Umsetzung des Ganzen in festlicher Abendgarderobe gelingt darüber hinaus ausgesprochen gut – kein Rampengestehe, sondern darstellerisches Sich-Versenken in die Rollen. Auch dies hat sicher zur Intensität der Aufführung beigetragen. Das (mir gänzlich unbekannte) Werk selbst schlägt zudem auf Anhieb in seinen Bann und wartet mit einer Vielzahl von Schönheiten auf, von lyrischen Miniaturen bis zum großen Jubel-Finale mit Chor.

Fazit: Mariinski in der Elphi – ein Abend zum Träumen und Staunen.