22. März 2018

NDR Elbphilharmonie Orchester – Krzysztof Urbański.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 15, Bereich M, Reihe 2, Platz 7



Wojciech Kilar – Orawa für Streichorchester
Sergej Prokofjew – Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19
(Frank Peter Zimmermann – Violine)

(Pause)

Antonín Dvořák – Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70


Das letzte Konzert des NDR-Abos D, heute eher eines der Sorte für den kleinen Musikhunger zwischendurch. Nicht besonders lang das Programm, nicht besonders nachhaltig die Wirkung. Der Kilar mit einem eingängigen Streicherstückchen zwischen Minimal Music-Repetitionen und Balanescu Quartett-Feeling. Da fand ich die vor etwa einem Jahr ebenfalls durch Urbański und den NDR präsentierte sinfonische Dichtung aus der Feder des von mir für seinen Dracula-Soundtrack verehrten Polen deutlich spannender.

Spannung ist auch das Stichwort für das Violinkonzert, bzw. das Fehlen derselben bei der Interpretation durch Solist und Orchester. Was schrieb ich noch nach der Erstanhörung des Werkes im September an gleicher Stelle? Nervös-expressiv? Schroff? Heute eher eine geleckte, gediegene Angelegenheit. Nachträglich gebührt umso mehr Respekt Salonen und seinen Philharmonia-Kollegen – und es ist schlicht verstörend, was Pekka Kuusisto ganz im Gegensatz zum eigentlich geschätzten Frank Peter Zimmermann an Funken und Feuer aus der Partitur geschlagen hat. So habe ich das Konzert heute kaum wiedererkannt – die „schönen Stellen“, Vorboten des „Romantikers“ Prokofjew, fielen wieder auf, aber das ganze Gerüst darum blieb unwirklich blass.

Womit die nächste unrühmliche Überleitung geschaffen wäre, um die Präsentation des erhofften Highlights des Programms, des sinfonischen Energiebündels von Dvořák, traurig-treffend zu charakterisieren. Eignet sich die siebte Sinfonie wie kaum ein anderes „traditionelles“ Werk dazu, rhythmischen Furor zu entfesseln, war davon heute wenig zu spüren. Der laschen, harmlosen Lesart Urbańskis möchte ich nur ein Wort entgegenstellen: Kubelik. Einfach mal reinhören und vergleichen – ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Überhaupt Urbański: Der erste Gastdirigent des NDR mag auf den ersten Blick wie der Prototyp des jungen, dynamischen Pultlöwen erscheinen, bemisst man allerdings seine Wirkung abzüglich des seltsam affektierten, ja bisweilen unangenehm theatralischen Auftretens, bleibt nicht viel mehr als ein stylischer Bettvorleger übrig. Den Taktstock wie eine Peitsche über die Schulter ausholend geschlagen, eine Feldherrengeste hier, ein süßliches Schwelgen da – angesichts des mangelnden Effektes auf die Gestaltung einfach unerträglich. Einfachste Tempokontrastpotenziale werden verschenkt, von der harmlosen Artikulation ganz zu schweigen. Dvořák zum Abgewöhnen. Das Gros des Publikums ist dennoch begeistert und bejubelt den feschen Dirigenten und das Hausorchester – man ist genügsam im NDR-Fanclub.

Mein Abo-Fazit: Vier Konzerte, die den weiten Weg des Ensembles zur postulierten Weltspitze schonungslos offenlegen. Das Trockenobst Hengelbrock kapitulierte, die dirigierende Reiswaffel Gilbert steht in den Startlöchern, flankiert vom 1. Gastposterboy. Mir bleibt nur auf interessante Gastdirigenten zu hoffen und auf ein Entwicklungswunder – wo und durch wen das auch immer herkommen soll. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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