11. März 2018

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks –
Bernard Haitink. Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 15, Bereich N, Reihe 4, Platz 28 


Johannes Brahms – Ein deutsches Requiem 
(Camilla Tilling – Sopran, Hanno Müller-Brachmann – Bassbariton, Chor des Bayerischen Rundfunks) 


Während der ewig jugendliche Mitneunziger Herbert Blomstedt schon immer zu meinen ausgesprochenen Lieblingsdirigenten zählt, die ich gern in meinem CD-Player sowie auch in Person zu Gast habe und oder besuche – so letztmalig 2017 in Berlin – hat sein an Jahren und Ruhm fast bzw. mindestens ebenbürtiger Kollege aus den Niederlanden kaum eine Rolle in meiner Interpretengalerie gespielt. Zwar hatte ich immer mal wieder in die ein oder andere Haitink-Aufnahme reingehört, allerdings ohne dass dabei ein zwingendes Verlangen aufgekommen wäre, sich eingehender mit diesem Dirigenten zu beschäftigen, geschweige denn gezielt Konzerte mit ihm aufzusuchen – bis heute.

Ein Gastspiel mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist stets einen Besuch wert – mit seinem Chef Mariss Jansons ein Pflichttermin – da kann man ruhig mal probieren, wie sich der bekannte unbekannte Maestro mit diesem Deluxeorchester schlägt. Und was soll ich sagen, entweder habe ich tatsächlich zumindest live eine große Dirigentenkarriere verpennt oder es hat heute einfach alles in Kombination mit Brahms und den Bayern gepasst. In jedem Fall im Ergebnis ein „Deutsches Requiem“, das unter die Haut ging. Gleich der Beginn mit unglaublich zart einsetzendem Chor ein Gänsehautmoment. Die Ausbrüche des zweiten Satzes habe ich bezogen auf die Dynamik live noch nie so differenziert gestaffelt erlebt – sicher auch begünstigt durch die atemberaubende Transparenz der Saalakustik, aber in ihrem energischen Gestus eben alles andere als eine Altherrenangelegenheit.

Besonders interessant wurde es für mich aber ab dem dritten Satz, denn gegenüber einem von mir gewöhnlich wahrgenommenen Spannungsabfall präsentierte sich das Werk unter Haitinks Leitung geschlossen und qualitativ homogen wie noch nie. Keine „schönen Stellen“ hier und dort, sondern ein zwingender Spannungsbogen bis zum Schluss. Umso verblüffender, da das Requiem in seiner Gesamtheit eigentlich nicht zu meinen Favoriten gehört. Und zudem verwunderlich, da mich die beiden Solisten nicht restlos überzeugten, was Timbre und Ausdruck betrifft. Makellos hingegen die Leistung des Chores – der Bayerische Rundfunk setzt auch hier Maßstäbe.

Fazit: ich bin heilfroh, diese Gelegenheit ergriffen zu haben – besser spät als nie.

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