24. Januar 2018

Kammerphilharmonie St. Petersburg – Juri Gilbo.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 12, Bereich B, Reihe 4, Platz 1


Wolfgang Amadeus Mozart – Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550
Max Bruch – Konzert für Violine und Orchester g-Moll op. 26
Camille Saint-Saëns – Introduction et Rondo Capriccioso a-Moll op. 28

(Pause)

Felix Mendelssohn Bartholdy – Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“



Schon beruhigend, wenn bereits das Ticket den Solisten des Abends als „Star Violinist“ ankündigt, und auch auf dem Titel des Programmheftes nur der Name „Vadim Repin“ prangt, nebst nettem Portrait des Künstlers natürlich. Hm, wußte gar nicht, dass ich an einem Solokonzert teilnehmen werde ... ach nein, die Informationen über die Randerscheinungen Orchester und Dirigent folgen bereits auf Seite 12 – nachdem uns lobende Zitate, die mit einem bescheidenen „Ein Weltstar zu Gast in Deutschland“ eingeleitete (doppelte?) Biographie sowie eine Diskographie mit Katalognummern (gleich morgen ab zu Hanse CD!) noch einmal von der fraglosen Weltklasse des Solisten überzeugt haben.

Abgerundet wird das vielleicht Welt-wertvollste Programmheft (8 Euro für 16 Seiten heiße Luft – ich war neugierig, ob sich in seinem Inneren womöglich etwas Blattgold oder eine Staatsanleihe verbirgt, daher musste ich zugreifen) von einer Autogrammkarte zum Ausschneiden. Allerdings (noch) ohne Autogramm. Mal sehen, ob ich es mir nach dem Konzert abholen möchte (bzw. darf). Die Ballung der im Text verwendeten Attribute (beste/höchste/enorm ...) lässt die Spannung ins Unermessliche steigen ... Man wird sehen, ob ich später noch die Kraft finden werde, mich und meine Eindrücke zu fassen ...

So peinlich die papierne Präsentation des Solisten auch ausgefallen sein mag, so uneingeschränkt sorgte sein Vortrag, eingebettet in den exquisiten Klangkörper der Kammerphilharmoniker unter dem elektrisierenden Dirigat ihres Chefs, für nachhaltige Begeisterung. Auch ganz ohne Herrn Repin war unmittelbar klar, dass es ein erstklassiger Abend werden würde. Der Mozart: richtig gut. Knackig, zupackend, nicht unbedingt „historisch“, sondern einfach leidenschaftlich – was sich durch den Abend ziehen sollte. Die Akustik verhielt sich dabei viel besser als gedacht. Die Bläser etwas zurückgenommen, minimal dumpf, dafür die Violinen sehr strahlend – um nicht zu sagen perfekt. Die Celli und Bässe auch minimal dumpf – die deutsche Aufteilung wäre von meinem Platz aus wahrgenommen vielleicht etwas besser gewesen, da die zweiten Violinen der rechten Seite dann zu etwas mehr Strahlkraft verholfen hätten.

Aber auch so gelingt den russischen Gästen wahrhaft Referenzwürdiges. Das Bruch-Konzert: ebenfalls knackig, nicht sentimental oder kitschig. Teilweise Mordsantritte durch den Dirigenten – da ist richtig Dampf drin. Repin topp – brillant, mit Verve, Feuer, Druck, Leidenschaft, Spannung, Schnellkraft. Nicht unantastbar (hört man wahrscheinlich auch nur auf diese Distanz), aber insgesamt ein Traum. Ein wahres Dreamteam mit dem Orchester und seinem Dirigenten. Die Akustik wunderbar, leise Stellen traumhaft, aber auch im Tutti druckvoll und homogen. Der Solist kommt immer gut durch, strahlender, voller Klang – auch hier ist der Bläserapparat zurückgenommen.

Das Saint-Saëns-Stück sagte mir zunächst nichts, ist jedoch sehr wohl ein Paradestück und ersetzt gewissermaßen die obligatorische Zugabe des Solisten – perfekt. Es zeigt sich, dass das Parkett für Konzerte mit solistischer Beteiligung eine überaus interessante Alternative darstellt. Der Mendelssohn nach der Pause gehört zwar nicht zu meinen Lieblingen, wurde unter Herrn Gilbos zugkräftiger Stabführung aber dennoch zum Erlebnis.

Fazit: Einer der erfreulichen Fälle, in denen die Erwartungshaltung um ein Vielfaches übertroffen wurde.

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