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11. Dezember 2017

Ludwig – Barbara Hannigan.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 12, Bereich A, Reihe 9, Platz 2


Claude Debussy – Syrinx für Flöte solo (Ingrid Geerlings)
Arnold Schönberg – Verklärte Nacht op. 4, Fassung für Streichorchester

(Pause)

Alban Berg – Lulu-Suite / Symphonische Stücke aus der Oper „Lulu“ (Barbara Hannigan – Sopran)
George Gershwin – Suite aus „Girl Crazy“ (Barbara Hannigan – Sopran)


Schon spannend zu erleben, wie eine einzelne Person einen ganzen Saal im Griff haben kann. In diesem Fall Frau Hannigan, die als „crazy girl“ mit Gershwin singend, swingend und dirigierend das Publikum spätestens mit ihrer gewollt theatralischen Schlussgeste ausflippen ließ – den Arm in bester Musical-Manier gen Himmel gereckt. Aber die Frau ist eben auch ohne Frage ein Phänomen, ob in ihrer Hamburger Lulu (Link) am Rande der Selbstauflösung, oder heute bei der Vermittlung einiger Klassiker der Moderne mit abschließender Broadway-Sahnehaube. Welch Kontrast zu dem weitgehend blutleeren Gershwin-Reigen (Link) der Abordnung aus Brügge im August, waren doch heute die rund zehn Minuten als Rausschmeißer mehr Wert als seinerzeit der ganze Abend. Wie Frau Hannigan als Lulu alles gibt, so spult sie auch den amerikanischen Liebling der Massen nicht einfach herunter, sondern sorgt gleichermaßen für Intensität und Tiefe. Da wird gehaucht, gegurrt, vor allem aber gegrooved, wie man es sich nicht mitreißender wünschen könnte.

Die Art und Weise, wie sie sich bei all dieser Stimmakrobatik zudem noch selbst mit dem hervorragenden Ensemble Ludwig begleitet, zeugt neben allem Showtalent vor allem von umfassendem musikalischen Verständnis, ja symbiotischer Vertiefung – Sängerdarstellerin und Pultschamanin. Letzteres wird vor allem da deutlich, wo Frau Hannigan „nur“ dirigiert – welch eine feingliedrige, intime, beseelte wie berauschende Verklärte Nacht. Wobei der Dirigierstil eben mehr Ritus als Pultalltag evoziert. Nur schade, dass hier Hans und Franz im Saal stückbedingt sehr schnell konzentrationstechnisch an ihre Grenzen gelangen, schade um so manch vehement zerbrechliches Pianissimo. Da ging es mit dem Berg nach der Pause überraschenderweise fast besser, wahrscheinlich ist die portionierte Aufnahme schwerer Kost doch banausenverträglicher.

Apropos, was liefert diese Nicht-Zielgruppe doch unentwegt und verlässlich für humoristische Perlen: „Das war jetzt ein Streichorchester, also nur Geigen, also fast.“ Hat nur das vom Gatten entgegnete „Ach was.“ gefehlt, um einen lupenreinen Loriot zu bauen. Der Einstieg mit Debussys Flötentönen bei heruntergedimmter Saalbeleuchtung sorgte ebenfalls mehr für Wendehalsmanöver auf der Suche nach der Geräuschquelle denn meditative Einstimmung, aber sei's drum. Was bleibt, ist ein Konzert der Spitzenklasse für Feinschmecker und die gern wahrgenommene Gelegenheit, das Multitalent Hannigan einmal mehr bestaunen zu dürfen. Man sieht sich in der Staatsoper bei der Lulu-Wiederaufnahme.

31. August 2017

Anima Eterna Brugge – Jos van Immerseel.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Ebene 15, Bereich N, Reihe 2, Platz 28



„The Gershwin Project“

George Gershwin –
Rhapsody in Blue (Frank Braley – Klavier)
Ein Amerikaner in Paris

(Pause)

Catfish Row / Suite aus Porgy and Bess
The Man I Love / aus: Lady, Be Good!
I Got Rhythm / aus: Girl Crazy
My Man’s Gone Now / aus: Porgy and Bess
By Strauß / aus: The Show is On
Zugabe: Summertime / aus: Porgy and Bess
(Yeree Suh – Sopran)



Irgendwie wollte der Funke heute nicht überspringen. Gershwin im Altersheim ist offenbar doch nicht so ne gute Kombi. Zumindest nicht, wenn er derart harmlos und behäbig dargeboten wird, wie durch den James Last von Antwerpen, Jos van Immerseel. Die Begeisterung hielt sich auf meiner Seite und im Saal insgesamt in Grenzen. Dabei machte das Publikum einen ähnlich ungeschulten Eindruck wie gestern, und ich hätte gedacht, dass die Mischung aus Blankoscheck-Busladungen und anderen Gelegenheitsbesuchern das überaus massentaugliche Angebot mit so viel „richtiger“ Musik heute dankbarer aufnehmen würde als das gestrige. Erst als mit der Sopranistin zum Finale ein neuer, optischer Reiz ins Spiel kam – am Gesang kann es wahrlich nicht gelegen haben – geriet man etwas mehr in Wallung.

Aber der Reihe nach, (mangelnde) Wallung ist schon das richtige Stichwort. Schwammige Rubato-Allüren und andere unmotivierte, teils regelrecht energiesaugende, flussverhindernde Tempowechsel, die zusammen mit einer verblüffend ungroovigen Lesart selbst aus der an sich unverwüstlichen Rhapsodie eine langatmige Angelegenheit machten, ließen die Verweildauer des Amerikaners in der französischen Kapitale doch arg geduldstrapazierend wirken. Dabei hatte ich mich gerade auf diese nette sinfonische Dichtung mit Autohupenbegleitung gefreut – Pustekuchen. Viel zu wenig Kante und Drive, dafür viel zu viel Akademisches und Gedeckeltes. Jazz im Schlafrock – die Oberstufen-AG möchte ihre Interpretation wiederhaben. Wenn man es sehr gnädig betrachtet, könnte man sicher von Understatement und elegantem Zugang fabulieren, ich fand es einfach einlullend und beliebig.

Dabei ist das Orchester in Ordnung, der Klang tadellos, die Technik trotz angezogener Handbremse gegeben, einzig der erste Teil des Trompetensolos im Amerikaner in Paris ging komplett daneben. Der Pianist der Rhapsodie tat sein Bestes, überhaupt sorgten Einzelleistungen der Musiker für klangliche Oasen in der interpretatorischen Wüste. Immer wieder waren es vor allem die Holzbläser, die daran erinnerten, welch tolle Kompositionen hier verheizt wurden, beispielhaft die Klarinette der Rhapsodie oder das einfühlsame Solo des Englischhorns im Parisurlaub. Die Verwendung historischer, bzw. zeittypischer Instrumente hatte im Erleben der „Exoten“ wie Sousaphon oder einem Steinway von 1906 eine gewisse museale Attraktion, die überschaubare Besetzung, insbesondere der Streicher, scheint ebenfalls diesem Authentizitätsanspruch geschuldet. Für meinen Teil bleibt die historische Aufführungspraxis jedoch eine Nische, in die ich nur dann und wann der Vollständigkeit halber einen Blick werfen möchte.

Nach der Pause nahm das Trauerspiel unverändert seinen Lauf. Die Suite aus Porgy ans Bess scheint ein ziemlich packender Querschnitt der Oper zu sein – der ebenfalls wirkungslos an mir vorbeizog. Den Tiefpunkt des Abends markierte dann das Zusammenwirken mit Frau Yeree Suh. Hatte ich mir zuvor schon die ganze Zeit den Kopf darüber zerbrochen, welches Instrument denn bitte mit der rings um die Bühne angeordneten Lautsprecheranlage der Verstärkung bedürfe, gaben die ersten Töne aus dem Munde der Sopranistin darüber bitteren Aufschluss. Das heißt, vielmehr das, was man NICHT zu hören vermochte. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine kleinere Stimme in einem Saal dieser Größenordnung (fast) gehört zu haben. Blöd dann auch, wenn die Verstärker-Anlage nicht funktioniert, oder deutlich zu subtil eingestellt ist. Das war schon nicht ohne unfreiwillige Komik, einen bekannten Gassenhauser wie „I Got Rhythm“ quasi als Karaokeversion dargeboten zu bekommen. Hat sich aber niemand dazu hinreißen lassen, mitzuträllern. Beim dritten Lied war die Sängerin sogar plötzlich etwas lauter zu vernehmen, mit dem Ergebnis eines grundweg unnatürlichen Konservenklangs. Dann doch lieber den Stecker ziehen und sich das Volumen dazudenken.

An die alternative Erklärung, dass es nicht an der Künstlerin selbst – welche stimmgewichtig dem Barockfach zuzueignen ist – sondern dem Saal bzw. akustischen Unwägbarkeiten lag, mag ich angesichts einer zum Teil aus der hinterletzten Ecke ohne jegliche Einschränkung erlebten „Ariodante“ (Link) nicht so recht glauben. Der Fairness halber sei aber gesagt, dass ich über die eigentliche stimmliche Qualität der Sängerin kaum etwas sagen kann – dazu hätte es mehr als nur die vage Ahnung von Timbre, Charakter etc. bedurft. Am Ende reichte die Ökonomie des Vortrags sogar noch für eine Zugabe: Summertime, zuvor schon in der Suite gehört, nun mit untermotorisierter Stimme ein zweites Mal. Und so einfach geht das mit der Begeisterung der Ahnungslosen – was Nettes, Bekanntes aus dem Munde einer adretten Dame und man kann mit Fug und Recht auf dem Heimweg konstatieren: „Schön war’s!“ Ganz, ganz toll.

Fun fact: Beim Rausstürmen aus den Katakomben der Elbphilharmonie ins Dunkel hätte ich fast Herrn Toyota über den Haufen gerannt. Vielleicht wäre es ihm möglich gewesen, meine Stimmchen-Verstimmung aus Akustikersicht zu erhellen, aber die Zeit wird ohnehin zeigen, ob heute nur ein bedauerlicher Ausrutscher war.

3. April 2016

Hamburger Symphoniker – John Axelrod.
Laeiszhalle Hamburg.

19:00 Uhr, Parkett rechts, Reihe 12, Platz 5/6



Kurt Weill – Suite aus der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“
Aaron Copland – Konzert für Klarinette, Streicher, Harfe und Klavier
(Sebastian Manz – Klarinette)
Zugabe: George Gershwin – Walking the Dog
(Sebastian Manz – Klarinette)

(Pause)

Antonin Dvořák – Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“



Es geht durchaus auch mal ohne den Chef – das ist die Erkenntnis des heutigen, großartigen Konzertabends mit den Hamburger Symphonikern. Diesmal oblag es John Axelrod als energisch zu Werke gehendem Gast, die bewährten Vorzüge meines Hamburger Lieblingsorchesters zur Geltung zu bringen. Dem Amerikaner gelang es, Kraft seiner federnd-straffen, dabei jederzeit umsichtig-differenzierten Herangehensweise, sowohl die eher selten in Konzertgefilden anzutreffenden Stücke vor der Pause, als auch das altbekannte Dvořáksche Dickschiff frisch und mitreißend zu präsentieren.

So unumstößlich die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ zu meinen Favoriten gehört, hatte ich mir von der daraus entnommenen Suite im Vorwege doch mehr erhofft. Die unverbundene Abfolge zweifellos prägnanter, allerdings jeweils sehr knapp behandelter Episoden ermöglicht allenfalls einen schlaglichtartigen Einblick in diese großartige, reichhaltige Partitur, deren Heterogenität in solcher Darreichungsform weniger für Abwechslung, sondern eher für eine gewisse kurzatmige Zusammenhanglosigkeit sorgt. Erst die Umsetzung des Finales im letzten Satz nimmt sich die nötige Zeit, um die Energie musikalischer Entwicklung auch in Miniaturform auszuleben. Interessant aber die Bearbeitung an sich, in der die Gesangs- und damit in der Regel auch Melodiestimmen den Bläsern übertragen wurden – mit Ausnahme des Alabama-Song-Themas, welches die Violinen intonieren. Die Darbietung selbst ließ, ungeachtet der für mich gewöhnungsbedürftigen Form, keine Wünsche offen.

Das gleiche gilt für das, allerdings in jeder Hinsicht formvollendete, Klarinettenkonzert Coplands, bei dem sich zum bestens aufgelegten Klangkörper Herr Manz mit seinem überragenden Spiel gesellte. Jenes sollte gleichermaßen für den gesanglichen, nachdenklich-ruhigen Fluss des ersten, mit seinem ein wenig an Mahler erinnernden Seufzermotiv, als auch für die vertrackte, von Jazz-Elementen durchzogene Hatz des zweiten Satzes die ideale Sprache anführen. Schade, daß Coplands Werke, seine Sinfonik wie auch seine Kammermusik, hierzulande in den Programmen rar gesät sind – zählen sie für mich doch zum Schönsten, das die klassische Musik des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Die ebenso schelmisch durch den sympathischen Hannoveraner angekündigte wie umgesetzte Gershwin-Zugabe bestätigte den wahrlich aufhorchen lassenden Eindruck des Solisten.

Alles andere als gewöhnlich gestaltete Axelrod dann in der zweiten Konzerthälfte das Gewohnte. Durchweg flotte Tempi, die auch das Largo nicht der Gefahr einer schwulstigen Verkitschung aussetzten, sondern edel und erhaben zu fließen gestatteten, kamen einer erfreulich knackigen, forsch drängenden Interpretation zugute. Genau die Herangehensweise, die Dvořáks rhythmische Vitalität und melodischen Erfindungsreichtum am besten zur Geltung bringt. Süße Melodien brauchen keinen Zuckerguss, Romantik keinen Schmalz. Was nicht heißen soll, dass man das Largo nicht auch weitaus langsamer dirigieren kann – es braucht halt, wie immer, ein entsprechendes Gesamtkonzept. Die Konzeption Axelrods jedenfalls brachte diesen Klassiker regelrecht zum Strahlen. Wucht gepaart mit Präzision, ausgekostete Spannungsbögen, schließlich eine fulminante Entladung im Finale, welche buchstäblich mitriss.

Das beste Konzept am Pult trägt ohne engagierte Musiker keine Früchte. Natürlich bin ich immer wieder in freudiger Erwartung, wenn interessante Gastspiele namhafter Orchester in der Hansestadt anstehen, an Abenden wie diesen verlasse ich die Laeiszhalle allerdings in der wohligen Gewissheit, meine musikalische Versorgung durchaus auch allein mit den Hamburger Symphonikern bestreiten zu können. Was die Elbphilharmonie ab dem nächsten Jahr zu meinem Seelenheil beitragen wird, steht, bei aller Vorfreude, noch in den Sternen – auf das Residenzorchester der Laeiszhalle ist heute Verlass und wird es bleiben.

9. Mai 2015

SIGNUM saxophone quartet.
Mozartsaal Schloss Schwetzingen.

19:30 Uhr, Parkett links, Reihe 2, Sitz 1



Jean Sibelius – Andante Festivo, arr. SIGNUM saxophone quartet

Alexander Glasunow – Saxophonquartett B-Dur op. 109
György Ligeti – Sechs Bagatellen, 
arr. Guillaume Bourgogne

(Pause)

Samuel Barber – Adagio for Strings op. 11, 
arr. Johan van den Linden
George Gershwin – Suite nach Themen aus der Oper „Porgy and Bess“, 
arr. Sylvain Dedenon
Plus Zugaben

(Blaž Kemperle – Sopran, Erik Nestler – Alt, Alan Lužar – Tenor, David Brand – Bariton)



Ich geb's ja zu: Eigentlich war dieses Konzert nur als nachgelagerter Brückenkopf für die Operation zur Erstürmung der Schlosstheater-Abendkasse gedacht, gewissermaßen als Rechtfertigung, überhaupt den Abstecher zu den Schwetzinger Festspielen anzutreten. Nachdem die vage Hoffnung auf Restkarten für das Konzert im Rokoko-Saal bereits nachmittags Erlösung empfangen hatte, machten sich kurzzeitig düstere Gedankenspiele breit. Ob man denn das zweite, abendliche Konzert wirklich durchziehen wolle, wo doch auf der bahneigenen Theaterbühne die Tragödie „Streik“ eine ungewisse und wenn dann gewiss späte Rückfahrt prophezeite.

Im Nachhinein ist man immer schlauer, wer hätte denn ahnen können, daß sich hinter einem Kammerkonzert mit recht exotischer Besetzung das bislang mit Abstand beeindruckendste musikalische Erlebnis meiner Reise in den Südwesten verbergen sollte. Saxophonquartett? Saxophonquartett! Was sich zumindest für mich nach einer eher gewöhnungsbedürftigen Kombination anhörte, entpuppte sich als Ohrenschmaus sondergleichen. Ja ich muß gestehen, daß mir in mehrhundertfacher Konzertbesuchshistorie bis zum heutigen Tag nie bewußt ein Sopran- oder Baritonsaxophon untergekommen ist. Und wieder was gelernt: es gibt durchaus Originalkompositionen für diese Quartettform. Aber auch die Bearbeitungen des heutigen Konzerts haben es in sich.

Ob getragen-feierlich (Andante Festivo), spritzig-virtuos (u.a. Glasunow und Ligeti), innig-verströmend (Barber) oder aberwitzig-explodierend (Zugaben) – keine Facette des Ausdrucks, die von den vier Herren heute nicht voller Leidenschaft transportiert worden wäre. Dabei hat mich, abgesehen von der kompromiss- und makellosen Ausführung, vor allem die schier unerschöpfliche Vielseitigkeit der Instrumentenfamilie nachhaltig beeindruckt.

Der sonore Klang des Baritonsaxophons, am ehesten vielleicht noch mit einem unglaublich warmen und vollen Kontrafagott zu vergleichen, auf der einen Seite, auf der anderen das faszinierende Soprangegenstück, mal in klarinettenhaftem, weichem Tonfall betörend, dann in hoher Lage silbrig, fast trompetenähnlich das Gefüge durchschneidend. Doch auch die beiden bekannteren Vettern Alt und Tenor wußten, durch die meisterhafte Behandlung ihrer Besitzer zu allerhand ungehört-unerhörtem motiviert, zu überraschen.

Schrill, rau, weich, perkussiv, und dann immer wieder dieser unglaublich homogene Mischklang im Zusammenspiel, edelstes Piano, nahtlos verlöschend oder aus dem Nichts erstehend, was ist bloß alles aus dem Messing herauszuholen – wohlgemerkt nicht als Selbstzweck, sicher schon um zu begeistern und zu verblüffen, aber immer im Dienste der durchweg gehaltvollen und vielschichtigen Kompositionen. Wobei ich hier ausdrücklich die gern von Klassiknasen belächelten durchjazzten Gershwin-Sachen und auch die Balkan-Zugabe einschließen möchte.

Umso bemerkenswerter die Fähigkeit der vier Musiker, sich binnen kürzester Zeit auf einen jeweils komplett anderen Charakter und Gestus einzustellen. Wahrscheinlich eine Selbstverständlichkeit für Kaliber dieser Begeisterungsstufe, trotzdem für mich heute ein Ereignis.