29. Januar 2012

Staatsorchester Stuttgart – Emilio Pomàrico.
Liederhalle Stuttgart.

11:00 Uhr, Parkett Eingang C, Reihe 10, Platz 51
















Richard Strauss – Till Eulenspiegels lustige Streiche

(Pause)

Ferruccio Busoni – Klavierkonzert (Carlo Grante)



Ein ursprünglich neben Strauss vorpausig veranschlagtes Werk Bernhard Langs, Don Quichotte, hatte seinen Weg nun doch nicht ins Konzert geschafft. Wahrscheinlich wollte man die sonntagmittägliche Vordinnerstimmung des erlauchten Publikums nicht über Gebühr strapazieren. Am Ende ist gar das heimische Süppchen kalt oder der Fensterplatz beim Lieblingsitaliener vergeben. Das Programm ist ja so schon lang genug. Also sputen auch wir uns mit unseren Ausführungen.

Nach dem gestrigen kalten Buffet der Philharmoniker kam ich heute wieder in den Genuß des À la carte-Sounds der Operntruppe. Der gute Eindruck vom November hat sich bestätigt, das Staatsorchester ist ein erstklassiger Klangkörper. Daß heute dennoch nur mild gewürzte Wonnen verköstigt wurden, lag am taktgebenden Küchenchef, der die Sache eher lässig anging. So besaß der Eulenspiegel Kraft des Orchesters alles was er braucht – nur eben von allem zu wenig. Zu wenig Schärfe, zu wenig Biss, zu wenig Genauigkeit, Kontur und Struktur. Nicht eben öde, aber doch arm an Kontrasten, nach denen die Partitur ja geradezu schreit. So macht das Stück zwar immer noch Spaß, angesichts des Orchesterpotentials bleibt aber das Grummeln einer verpaßten Chance im Magen.

Kommen wir zum Hauptgang der Aufführung, dem busonischen Klavierkonzert, das mich diesmal aus dem Norden ins Ländle gelockt hatte – ich sollte nicht enttäuscht werden. Das Orchester besitzt alle Farben und Finessen, um den sagen wir mal heterogenen Charakter des Werkes meistern zu können. Und auch Herrn Pomàrico scheint diese Musik zu liegen. Das konnte sich durchaus hören lassen. Insgesamt weniger breit als die Postnikova-Einspielung, ohne jedoch in Hetze zu verfallen. Wie hier das Tempo bisweilen massiv angezogen wurde, das hatte schon was. Wie gesagt, ich glaube es ist wichtig, daß dabei der grüblerische, den Klängen nachsinnende, fast schon mystische Grundzug der Angelegenheit nicht verloren geht, insbesondere natürlich in den langsamen Sätzen. Die „italienischen“ Momente kamen dafür mit der richtigen Portion Schmackes und Eleganz daher. Der Solist trug darüber hinaus seinen Teil dazu bei, beiden Gesichtern der Komposition gebührend Rechnung zu tragen. Sehr zu gebrauchen. Bleibt mir nur wieder einmal festzustellen, daß es Busoni sehr leicht mit mir hat. Seine Musik spricht mich persönlich an wie sonst vielleicht nur Britten oder Berlioz. Der hybride Charakter, das zwischen den Stühlen Sitzen, das Nebeneinander des Schweren, Weihevollen, häufig Dämonischen und des mediterranen Schwungs, des Geschmeidig-Feinen – für meine Ohren ergibt das alles, zusammen mit der das Konzertformat sprengenden Form, eine Vollkommenheit des Unausgewogenen.

Am Ende besaß Herr Pomàrico dann folgerichtig den Feuereifer, als Zugabe gleich den ganzen vierten (?) Satz als Zugabe spielen zu lassen und ließ sich erst durch den leise insistierenden Solisten (der plötzlich neben ihm stand) von seiner Mission der Busonifikation der Liederhalle abbringen. Meine Sympathien sind ihm jedenfalls gewiß.


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