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21. November 2023

Médée. Freiburger Barockorchester – Sir Simon Rattle. Elbphilharmonie Hamburg

19:00 Uhr, Etage 12, Bereich D, Reihe 3, Platz 4


Hatte mir keine Notizen gemacht, erinnere mich nur vage an einen gelungenen Abend mit Frau Kožená im Zentrum, ohne dass sich nach diesem ersten Kennenlernen der Oper der Wunsch eingestellt hätte, die Oper näher kennenzulernen.


Médée – Oper in einem Prolog und fünf Akten
Konzertante Aufführung in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musik 
– Marc-Antoine Charpentier

Dirigent – Sir Simon Rattle
Médée – Magdalena Kožená
Creon – Luca Tittoto
Créuse – Carolyn Sampson
Cléone, L’Amour – Jehanne Amzal
Jason – Reinoud van Mechelen
Oronte – Gyula Orendt
Nérine, Bellone – Markéta Cukrová
Arcas, La Jalousie – Gonzalo Quinchahual
La Vengance – Dionysios Avgerinos

Freiburger Barockorchester
Staatsopernchor Berlin


15. Januar 2018

London Symphony Orchestra – Sir Simon Rattle.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 13, Bereich E, Reihe 3, Platz 13



Franz Schubert – Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 „Unvollendete“
Gustav Mahler – Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert (Magdalena Kozená – Mezzosopran)

(Pause)

Georg Friedrich Händel –
Dopo notte, atra e funesta / aus „Ariodante“ HWV 33
Scherza infida / aus „Ariodante“ HWV 33
Pensieri, voi mi tormentate / aus „Agrippina
“
(Magdalena Kozená – Mezzosopran)

Jean-Philippe Rameau – Suite aus „Les Boréades“


Heute erwies sich das Publikum über weite Strecken der Qualität des Gebotenen würdig. Verrückte (Konzert-)Welt, in der ein stilles, konzentriertes Publikum zur wohltuenden Ausnahme gerät – erst in den letzten beiden Mahler-Liedern kehrte der alte Keuch- und Röchel-Schlendrian wieder ein.

Dafür beharrten das LSO und sein neuer Chef den ganzen Abend auf der ihnen nachgesagten Spitzenqualität. Leisester Schubert-Beginn aller Zeiten. Holzbläsersoli schweben auf samtigstem Streicherteppich. Rattle zumeist langsam, fast schon schleppend, trotzdem mit scharfen dynamischen Kontrasten. Man hört richtig in die Partitur. Und im zweiten Satz leider ein penetrantes Hörgerät – Kammerton Terror martert die Sinne.

Mahler: Kozenas Stimme toll, Textverständlichkeit ok. Das Wort „gestorben“ habe ich noch nie so schön gesungen gehört. „Um Mitternacht“ – erhabene Bläserwirkung. Nicht so bombastisch wie unter Tate in der Laeiszhalle (Link), dafür fein und edel. Unwirklich drastischer Englischhorn-Ansatz-Aussetzer. Ich leide mit der Solistin. Dann wieder superzartes Verklingen. Die Linde! Welch Seelenbalsam – wenn auch verhustet.

In der Pause sorgt ein Typ in weißem Anzug mit Kippa für Irritationen beim Saalpersonal. Wo will er mit den Rosen hin? Sind Groupies in der Elphi verboten? Oder zählen dornige Gewächse als Bedrohung? Ich werde es wohl nie erfahren, was genau sein Auftrag war, fest steht nur, dass sein Plan nicht aufging.

Der Händel dann mit kleinerer Besetzung, eine Oboe, ein Fagott, Cembalo plus Streicher, insgesamt ca. 30 Mann. Kozená mit wunderbarem Timbre, aber technisch nicht auf Jaroussky-Niveau. Kasarova, Di Donato, Coote, Bartoli ... ich glaube da gibt es andere Expertinnen für diese Musik. Rattle stimmt seine Musiker sehr fein ab, sie ist da etwas „grober“, natürlich trotzdem auf höchstem Niveau.

Rameau: sehr vielseitig, Effekte (zwei Piccolo-Flöten, Gewitter, „Strawinsky“-Satz ...) aber doch etwas ermüdend, das Finale der Suite ein wahrer Rausschmeißer. Sympathisch: Rattle lässt sein Orchester auch ohne ihn beklatschen. Noch sympathischer: seine Halsdurchschneider-Geste, mit der er irgendwann im Rameau entnervt die dumme Nuss hinter dem Orchester ausschaltete, welche meinte, ihm in die Einsätze blitzen zu müssen. Nicht mit Sir Simon – recht hat er!

14. Dezember 2012

Der Rosenkavalier – Simon Rattle.
Staatsoper im Schillertheater Berlin.

19:00 Uhr, Parkett links, Reihe 5, Platz 16



1. Akt
Klassische Inszenierung ohne weitere Deutungsebene. Funktioniert. Barocke Garderobe. Große Toilette. Pomp. Damien Hirst Toten-Ballmaske als Anspielung auf die Vergänglichkeit. Ein schräger Kronleuchter. Allerlei verhaltensauffälliges Volk beim Lever. Der Sänger ohne Beine und leider auch ohne Schmelz. Lerchenauische Provinz-Raubritter, Leopold mit Joker-Mund. Die personifizierte Unberechenbarkeit, durch sein bloßes Auftreten sehr intensiv. Ein Zwerg statt einem Mohr, dieser bedient sich dann aber eines Servierwagens in Form eines Mohren. Aha.

Röschmann und Kozená umwerfend. Von Rattle mit Hilfe der farbgewaltigen, edlen Staatskapelle in höchste Verzückungssphären erhoben. Monolog der Marschallin von ergreifendster Sensibilität. Rose etwas verhalten – Erkältung. Andere unauffällig.

2. Akt
Kurzweilige Inszenierung. Die Chaostruppe derer von Lerchenau sorgt für Stimmung. Ein wunderbares Schlussbild: Leopold blickt in den Kristall des Cognacstöpsels. Hübsche Wandlung des Bühnenbildes durch die illuminierten Harnische. Putzig: Die Weltkugel-Minibar – so säuft ein Mann von Welt.

Peter Rose muß nun doch aufgeben. Jürgen Linn leiht ihm von der Bühnenseite seine Stimme, der Brite gibt szenisch weiterhin einen mireißenden Ochs. Schade, daß er nicht auch stimmlich glänzen konnte, aber sein Einspringer macht seine Sache mehr als gut – sehr dialektsicher und textverständlich.

Duett Kozená / Prohaska genial. Zartest. Eine phänomenale Live-Leistung. Für solche Qualität muß man sonst tief in die Plattenkiste greifen. Faninal sehr gut, Top-Organ und Wohlklang.

3. Akt
Scharade nett gemacht, trotzdem ist das nicht mein Humor. Theaterstadl. Ich wiederhole mich. Terzett und vor allem Duett am Ende himmlisch.

Ein ganz großes Lob noch mal an Rattle. Feinheiten, wie sie heute an der Tagesordnung waren, ist man sonst im Idealfall vielleicht aus Konzert und Studio gewohnt, gehören in der Oper jedoch zu den ersehnten Ausnahmen.


Richard Strauss – Der Rosenkavalier
Musikalische Leitung – Simon Rattle
Inszenierung – Nicolas Brieger
Bühnenbild – Raimund Bauer
Kostüme – Joachim Herzog

Die Feldmarschallin – Dorothea Röschmann
Der Baron Ochs auf Lerchenau – Peter Rose / Jürgen Linn
Octavian – Magdalena Kozená
Herr von Faninal – Michael Kraus
Sophie – Anna Prohaska
Leitmetzerin – Carola Höhn
Valzacchi – Torsten Hofmann
Annina – Anna Lapkovskaja
Ein Polizeikommissar – Tobias Schabel
Der Haushofmeister der Ferldmarschallin – Torsten Süring
Der Haushofmeister bei Faninal – Michael Smallwood
Ein Sänger – Stephan Rügamer
Eine Modistin – Narine Yeghiyan
Diener der Marschallin – Michael Markfort
Ein Notar – Tobias Schabel

Kinderchor der Staatsoper unter den Linden
Staatsopernchor
Staatskapelle Berlin