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19. Oktober 2024

Lucerne Festival Orchestra – Riccardo Chailly.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 12, Bereich D, Reihe 3, Platz 4



Jean Sibelius – Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47

Zugabe:
Jonny Mercer – Freie Improvisation nach »Les Feuilles mortes« /
»Autumn Leaves«

(Pause)

Sergej Rachmaninow – Sinfonische Tänze op. 45

Zugabe:
Sergej Rachmaninow – Scherzo für Orchester in d-Moll


Lucerne Festival Orchestra
Daniel Lozakovich – Violine
Dirigent – 
Riccardo Chailly


Wahrscheinlich ist Sibelius´ op. 47 mein liebstes Violinkonzert überhaupt, von daher kann man da natürlich für mich viel falsch machen. Riccardo Chaillys Einspielungen sind ein vertrauter Bestandteil meines CD-Regals und gern gesehener Gast im Konzertsaal, heute war der Vortrag einfach nicht ganz auf meiner Wellenlänge, weder vom Timing des Solisten noch vom Dirigat her, ohne dass ich im Detail die Gründe dafür aufzeigen könnte. Nur dass es dabei eben wirklich um Details ging. Orchester klingt prima, Solist auf der Höhe, trotzdem halt nicht das, was ich erhofft hatte. Kann passieren. 

Umso spannender wurde es dann nach der Pause beim Rachmaninow: Orchester und Dirigent zeigen sich auf vortreffliche Art als Anwälte eines Werkes, das ich leider viel zu selten im Konzertbetrieb gehört habe. Finesse, Klangfarbenspiel, Transparenz und Fülle, Drang und Sehnen (allein die von Oboe und Klarinette initiierte, vom Saxophonthema geprägte Holzbläserpassage im ersten Satz!) und natürlich nicht zuletzt das titelgebend Tänzerische – Chailly bringt mit dem Lucerne Festival Orchestra alle Aspekte der Partitur vollendet zur Geltung. 

Ich glaube, der erste Satz ist mir auch der Liebste, mit seiner Mischung aus Wuchtigem und Wehmütigem, gefolgt vom ähnlich kontrastreichen dritten. Das Walzer-Andante hat selbstredend auch etwas, ich empfinde es allerdings tatsächlich mehr als schattenhaftes Bindeglied zwischen fulminantem Auftat und furiosem Finale und weniger als einen dieser ruhigen Sätze, die das emotionale Zentrum einer Komposition einnehmen – für die ich bekanntermaßen eine ausgeprägte Schwäche habe. Schwaches gab es an diesem Abend jedenfalls in keinem Takt zu beklagen, auch nicht in der Präsentation der Zugabe, eines Scherzo im Stile Mendelssohns aus der Feder des 14-jährigen Rachmaninow. Schön, auch mal solche Raritäten als Rausschmeißer kredenzt zu bekommen.

25. Mai 2018

Coro e Orchestra del Teatro alla Scala – Riccardo Chailly.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 12, Bereich D, Reihe 3, Platz 5



Giuseppe Verdi – Messa da Requiem

Tamara Wilson – Sopran
Ekaterina Gubanova – Mezzosopran
René Barbera – Tenor
Ferruccio Furlanetto – Bass

Coro e Orchestra del Teatro alla Scala
Chorleitung – Bruno Casoni
Dirigent – Riccardo Chailly



Erster Teil der inoffiziellen norddeutschen Requiem-Woche – heute: Verdi in Hamburg. Orchester und Chor der Mailänder Scala wie erhofft vom Allerfeinsten, Akustik im Fortissimo angesichts der vielen Kehlen doch mitunter deutlich klirrend. Ansonsten aber butterweicher Klanggenuss unter Chaillys differenzierter Regie – Piano- und Pianissimo-Wonnen. Die Entdeckungen des Abends sind ohne Frage Frau Wilson und Herr Barbera – die ideale Kombination aus makellos strahlendem wie innigem Sopran und einem Tenor mit genau der Portion Schmelz und heldisch-tragender, gleichsam juvenil-schlanker Höhe ohne Engpässe oder Schreihalsallüren, wie sie Verdi zur Vollendung braucht. Frau Gubanovas Qualität stand angesichts zweier Traum-Brangänen in Berlin und München bereits von vornherein außer Frage, Herr Furlanetto rundete das Quartett mit solidem Bassfundament ab.

Fazit: besser geht es kaum, auch wenn die Elbphilharmonie zumindest für Hörer im Parkettdunstkreis die Klangmassen mit leicht lärmiger Schroffheit quittierte.