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26. Juni 2025

Orchestre Métropolitain de Montréal – Yannick Nézet-Séguin. Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 13, Bereich E, Reihe 3, Platz 13



Maurice Ravel – La valse / Poème chorégraphique für Orchester
Barbara Assiginaak – Eko-Bmijwang (Aussi longtemps que la rivière coule)
Camille Saint-Saëns – Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22

Zugabe:
Isoldes Liebestod »Mild und leise wie er lächelt« /
aus der Oper »Tristan und Isolde« WWV 90
(Bearbeitung für Klavier von Zoltan Kocsis)

(Pause)

Piotr I. Tschaikowsky – Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 »Pathétique«


Orchestre Métropolitain de Montréal
Alexandre Kantorow – Klavier
Dirigent – Yannick Nézet-Séguin



Vor der Zugabe dachte ich noch: Kannste ja mal zur Abwechslung den Text zur ersten Halbzeit flink in der Pause tippen – Spitzenkonzert, dies und jenes Detail hervorheben, Kantorow für seine Technik in den Himmel loben, fertig. Und dann haut der gute Mann als Zugabe (wieder! (Link)) den Liebestod raus, so dass ich jetzt erst mal meine Murmeln sortieren muss.

Also hübsch der Reihe nach: La Valse ist vielleicht mein Lieblingsstück von Ravel und ich freue mich jedesmal wie ein kleines Kind, wenn diese elegante Monstrosität auf dem Programm steht. Nézet-Séguin erarbeitet mit seinen Landsleuten eine absolut schlüssige, fließend-transparente, kontrastreiche Interpretation mit Verve und Wumms, ohne es dabei vollends in Sachen Schärfe ausarten zu lassen. Ich kann damit wunderbar leben, auch wenn ich das Stück gern mal ein paar Schritte dichter zum Rande der Auflösung präsentiert bekomme. Es stellte sich heute wieder – wie schon bei meinen letzten Konzerten auf diesem Platz – ein bisschen die Frage, ob die Position immer noch mein bevorzugter Fleck in der Elphi ist, oder ob ich selbst bei solch groß besetzten Werken lieber näher am Geschehen wäre. Das Pendel schlägt wohl wie beim Mahler unter Mäkelä (Link) und van Zweden (Link) Richtung Letzteres aus. Aber wie bereits oft konstatiert, ein sehr transparenter, ausgewogener Klang dort, gerade bei leisen Stellen.

Das zweite Stück des Abends von Frau Assiginaak ruft leichte Appalachian Spring Vibes hervor. Indigenes Colorit, zum Teil ungewöhnliche Klangeffekte (mit Papier rascheln), generell viel Perkussion, insgesamt ein eher tonal gehaltenes, sehr zugängliches Werk.

Das zweite Klavierkonzert von Saint-Saëns ist mir recht gut bekannt, vollends warm werde ich wohl nie damit: Den ersten und dritten Satz empfinde ich als wunderbar, aber das kumpelig-schunkelige Thema des zweiten geht leider gar nicht. Das hat eine "Qualität", die Eumel zum Mitsummen einlädt … da bin ich komplett raus. Kantorow wie beim letzten Mal phänomenal, an manchen Stellen scheint es, als widersprächen seine Handbewegungen den Gesetzen der Physik – quasi ein glitch in der Matrix – eine im wahrsten Sinne für Ohr und vor allem Auge unfassbare Geschwindigkeit. Und dann halt die Zugabe. Der vielleicht beste Liebestod am Klavier, obwohl er die finale Steigerung superschnell nimmt, was eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht. Schwere Gedanken umwölken meine Sinne. Wir werden alle sterben, haben liebe Menschen verloren und werden weitere verlieren, aber auch das ist das Leben. Und es ist es wert.

Zum Abschluss Tschaikowsky – vielleicht die beste Sechste ever. Hatte nicht so richtig Bock drauf, Nézet-Séguin belehrt mich eines Besseren. Richtig Oooomph, lehnt/hängt sich wortwörtlich und im übertragenen Sinne rein. Artikulation sehr pointiert, dabei nie hart, immer organisch, trotzdem starke Kontraste in Dynamik (erster Satz ersterbende Holzbläser und dann Schlag auf die Omme), ppp zum Lufanhalten, oder Tempo (Mordsantritt dritter Satz,) treibt die Streicher zum Expressivsten, aber nicht kitschig, ehrlich tiefe Emotionen, Sehnsucht, Verzweiflung. Wenn das Hauptthema des Kopfsatzes erklingt, zerfließt man wie Butter. Dritter Satz Hammer!mässig. Mehr Trotz geht nicht. Den Finalsatz hatte ich nicht so stark in Erinnerung. Nicht nur Wehmut, sondern auch Kampf und Dampf. Choralstelle mit Posaunen und Tuba unanfechtbar. Solohorn topp! Zweiter Satz strotzt vor Eleganz, aber von der Komposition her nicht so meins. Standing ovations. Im nicht enden wollenden Jubel besucht Nézet-Séguin noch mal alle Stimmführer einzeln und geht vor ihnen auf die Knie. Klingt theatralisch, kam aber spürbar von Herzen: der Mann aus Montreal und seine Mitmusiker aus Montreal – eine magische Verbindung.

17. Februar 2019

Berliner Philharmoniker – Yannick Nézet-Séguin.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 13, Bereich E, Reihe 2, Platz 13



Claude Debussy – La Mer / Drei sinfonische Skizzen

(Pause)

Sergej Prokofjew – Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100



Die Berliner Philharmoniker und die Elbphilharmonie sind eine Kombination, wie sie exquisiter nicht sein könnte, erst recht unter der gewohnt sensiblen Stabführung Nézet-Séguins. Schon nach den ersten Takten herrscht klangliche Gewissheit darüber, dass dieser Abend etwas ganz Besonderes werden wird. Und tatsächlich ist es eine beispiellose Freude, einen der wohl ausgelutschtesten modernen Klassiker, Debussys Ozeanreigen, in solch vollendeter Aufführung zu jungfräulicher Frische zurückgeführt zu wissen. Nézet-Séguins Mikromodulationen in Klang und Fluß, dazu das in wirklich jeder Beziehung makellose Orchester, lassen die Partitur in einer Transparenz schillern und aufblühen, wie man sie live sonst nur schwerlich erleben kann.

Dabei zeigt sich gerade bei den üblichen „Problemstellen“ die Meisterschaft der Berliner Musiker – butterweiche Hörner, abgestuft bis zum samtigen Hauch, das Gleiche gilt für die Trompeten, welche, ob frei aufspielend oder gedämpft, zum Edelsten gehören, was man akustisch wahrnehmen kann. Und wenn man dann realisiert, dass mit Herrn Pahud und Herrn Mayer gerade zwei der wohl Besten ihres Faches gemeinsam das betörende Flöten- und Oboensolo des dritten Satzes intonieren, könnte das innere Grinsen kaum breiter ausfallen. Beim Dirigat fällt wieder einmal auf, dass Herr Nézet-Séguin den Saal auch bezogen auf die Dynamik absolut im Griff hat. Die Steigerungen sind allesamt wuchtig, dabei allerdings in der Dosierung der Lautstärke minutiös gestaffelt, so dass er sich das volle Volumen tatsächlich bis zum Schluss des Stücks aufsparen kann – mit untrüglicher Wirkung.

Selbige erzielen die Gäste nicht minder mit Prokofjews Fünfter. Ehrfürchtiges Geraune zwischen den Sätzen, in wahre Jubelstürme nach dem Finale kulminierend, zeugen davon, dass man sich in Hamburg auch mit diesem weit weniger gelernten Mammutwerk der überlegenen Qualität der Philharmoniker bewusst ist. Für mich persönlich gehört die Fünfte sicher zu meinen Lieblingssinfonien. Gerade die Sätze eins bis drei, allen voran das herzzerreißende Adagio mit seinen sehrend-schneidenden Streichern (und wie sie heute schnitten!), haben es mir angetan. Mit dem Finale hatte ich meine Probleme, als ich die Sinfonie kennenlernte, mittlerweile habe ich realisiert, wie gut es sich in die formal doch sehr konservative Gesamtstruktur des Werkes einfügt, welches eben keine „Finalsinfonie“ in der Nachfolge Mahlers darstellt, wie es Prokofjews Kollege Schostakowitsch mitunter ebenfalls handhabt. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf dem monumentalen Kopfsatz, der mir mit seinem schubhaft einsetzenden, stetig wiederkehrenden Eingangsthema wie eine einzige, majestätische Introduktion gigantischen Ausmaßes vorkommt. Das Finale fungiert da eher als traditioneller Kehraus, wobei es auch hier die ein oder andere bizarre Überraschung gibt, etwa wenn der Komponist kurz vor dem eigentlichen Fortissimo-Schluss mitten in der Kulminationsphase das Geschehen abrupt für wenige Takte auf kammermusikalisches Maß stutzt, um den finalen Ausbruch um so vehementer im Tutti explodieren zu lassen.

Es wäre müßig, angesichts der Perfektion des Vortrags Einzelleistungen gesondert hervorzuheben – Herr Nézet-Séguin tat gut daran, beim Applaus die Orchesterstimmen jeweils als Gruppe aufstehen zu lassen – das Kollektiv ist der Star. Es war mir eine kaum steigerungsfähige Freude, diese herrliche Musik von einem solch unwiderstehlichem Ensemble in Empfang nehmen zu dürfen. Nehmen Sie sich an Ihren Münchner Kollegen ein Beispiel und kommen Sie recht bald und häufig wieder nach Hamburg – die Elbphilharmonie braucht Orchester wie dieses.

29. Mai 2018

The Philadelphia Orchestra – Yannick Nézet-Séguin.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 13, Bereich A, Reihe 9, Platz 1/2



Leonard Bernstein – Sinfonie Nr. 2 für Klavier und Orchester 
„The Age of Anxiety“
(Jean-Yves Thibaudet – Klavier)

(Pause)

Peter I. Tschaikowsky – Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Zugabe:
Edward Elgar – Salut d'Amour (Liebesgruß), Op. 12



Nachdem Herr Nézet-Séguin mit seinen kanadischen Kollegen (Link) bereits einen äußerst starken Eindruck hinterließ, legte er mit seinem Orchester aus Philadelphia noch eine Schippe drauf. Den Tschaikowsky bestimmten starke, ja teilweise extreme Tempokontraste, dazu noch eine enorme Bandbreite im Ausdruck, bei dem immer wieder eine butterweiche Artikulation mit unwiderstehlicher Konsequenz alternierte. Im zweiten Satz trieb Nézet-Séguin es dann so weit, dass man fast Angst haben musste, der Fluß komme zum Erliegen – vielleicht nicht jedermanns Lesart aber für mich in der gesamten Kontrast-Konzeption absolut plausibel und zudem Ausdruck einer großen Liebe zum Detail, welche trotz der Tempoabfälle nie die Spannung verlor, im Gegenteil eine Reihe von Leckerbissen für Klangfetischisten auf dem Silbertablett präsentierte. Und welch eine Entladung im Finale – rasender, soghafter, gewaltiger bis gewalttätiger wurde wohl selten durch den Schlusssatz gepeitscht – eine in jeder Hinsicht berauschende, regelrecht befreiende Erfahrung. Diesem Orchester sind in Sachen Musikalität wie Virtuosität offenbar keine Grenzen gesetzt, eine Demonstration absoluter Perfektion in Ausdruck und Technik. Spätestens nachdem man den als organische Einheit fungierenden Streicherapparat im Pizzikato-Scherzo erlebt hat, mit dem Nézet-Séguin scheinbar nach Belieben phrasieren und den Klang gestalten kann, gibt es keinen Zweifel an der Meisterschaft dieses Klangkörpers. Und ja, so muss das Blech klingen, so und nicht anders.

Hatte ich mich schon sehr über die Aussicht auf eine mustergültige Vierte gefreut, war ich fast noch mehr auf die Bernstein-Sinfonie gespannt, die ich besonders schätze, aber noch nie live und sonst nur mittels einer hoffnungslos verrauschten Einspielung genießen durfte – zwar mit dem Schöpfer selbst am Pult, aber eine traurige Akustik bleibt eine traurige Akustik. Ganz anders heute in diesem Saal, den der wunderbare Jean-Yves Thibaudet mit diesem famosen Orchester im Rücken dazu nutzte, um die brillante Partitur zum Strahlen zu bringen. Präzise, perlend, klar, aber ebenso zart bei Bedarf, auch diesen Programmpunkt hätte ich mir eindringlicher nicht wünschen können. Gerade in den jazzigen Passagen ging es richtig ab, traumhaft die akustische Ausgewogenheit zwischen Solist und dem Ensemble aus Philadelphia – zu meiner Schande, bzw. jener der Aufnahmetechnik besagten Mitschnittes, muss ich gestehen, bis heute nie herausgehört zu haben, dass ja noch ein zweites Piano im Orchester zum Einsatz kommt. Spannend für mich als großer Copland-Freund immer wieder die triumphale Wirkung des Finales, welches eine schöne Brücke zu den Kompositionen des mit Bernstein befreundeten Kollegen schlägt – wenn ich nur ein Werk Bernsteins auswählen dürfte, wäre es nicht „West Side Story“, sondern diese beeindruckende Sinfonie, die heute, im Verbund mit einer anderen großen Sinfonie, das Beste transportiert hat, was Musik seinen Zuhörern geben kann. Herr Nézet-Séguin – bitte beehren Sie uns bald wieder.

1. Dezember 2017

Orchestre Métropolitain de Montréal –
Yannick Nézet-Séguin.
Elbphilharmonie Hamburg.

20:00 Uhr, Etage 13, Bereich E, Reihe 3, Platz 13



Pierre Mercure – Kaléidoscope

Hector Berlioz – Les nuits d’ été (Marie-Nicole Lemieux – Alt)

(Pause)

Camille Saint-Saëns – Konzert für Violoncello und Orchester
Nr. 1 a-Moll op. 33 (Jean-Guihen Queyras)

Edward Elgar – Enigma-Variationen op. 36

Zugabe: Maurice Ravel – Pavane pour une infante défunte


Das Fazit diesmal vorweg: Immer wieder schön, wenn man positiv überrascht wird. Nachdem mich das erste Konzert, dass ich mit Herrn Nézet-Séguin und seinem Klangkörper aus Rotterdam (Link) erleben durfte, relativ kalt gelassen hatte, erschloss sich mir heute mit Nachdruck, warum dieser Mann zu den führenden jungen Dirigenten gezählt wird. Aber zunächst ein paar Worte zu den einzelnen Programmpunkten.

Mercures Kaleidoskop ist Programmmusik, wie sie im Buche steht. Sehr eingängig, abwechslungsreich, die rhythmischen Passagen erinnern entfernt an Copland oder Bernstein, insbesondere was den Drive angeht. Dann geht es wieder sehr passioniert, schwelgend zu – Filmmusik, könnte man meinen. Das Orchester ist bestens aufgelegt, minimale Schwachstellen im Blech, dafür ausgesprochen feines Holz und gute Streicher – einzig die Bässe ungewöhnlich wenig präsent – mag das an der Positionierung (mittig hinten) liegen? Dirigierte Nézet-Séguin den Mercure ohne Taktstock, aber mit Partitur, griff er für Berlioz wieder zum Stöckchen.

Ja, der Berlioz: Ein Wahnsinns-Zyklus. Diese Klangfarben, diese Innigkeit, somnambule Entrückheit – der Tristan vorausgedacht, ebenso wie die Liebesnacht von Dido und Aeneas. Die Sängerin war anfangs gar nicht mein Fall, ihre Stimme erschien mir etwas säuerlich (Alt ist aber ja häufig „problematisch“). Doch mit fortlaufender Dauer erkannte ich, was in dieser Kehle schlummert: Technisch wunderbar, Phrasierung topp und vor allem in den ganz leisen, intimen Passagen unglaublich sensibel. Eben genau passend zu Nézet-Séguins Lesart, die alles aus der Akustik herausholt. In dieser Form sind solche musikalischen Zärtlichkeiten wohl nur hier unter diesem Dach umsetzbar. Streicher und Holz feinfühligst, die Hörner jetzt tadellos – ein wahrer Traumklangteppich. Hypersensibel, ich muss es wiederholen.

Was man vom Publikum leider weniger behaupten konnte – Mitfilmen, Unruhe, Huster, Dummbatz-Applaus zwischen den Berlioz-Sätzen. Aber zum Glück, wenn es akustisch drauf an kam, dann doch halbwegs gesittet. Das Cellokonzert von Saint-Saëns erweist sich als äußerst kurzweilig, der Solist ohne Fehl und Tadel, wenn auch etwas blass. Hätte bisschen mehr Druck und Saft vertragen können, dafür sehr edel, schlank, ätherisch.

Und dann kam Elgar und Nézet-Séguins große Stunde. Wenn man gemein sein möchte, könnte man den jungen Stardirigenten als hoffnungslosen Softie bezeichnen. Nein, im Ernst, der Bursche ist potenzierter Feinsinn, kostet jede Phrase bis ins letzte Detail aus, ohne dabei zu schleppen – im Gegenteil: Nimrod relativ flott und trotzdem zaubert er eine Bombensteigerung hin. Und wenns sein muss, kann der Kanadier auch Kante – Blech-Einsätze mit ordentlich Knack, im Finale wird die dynamische Reserve ausgekostet, dass der britische Pomp den ganzen Saal erbeben lässt. 

Bei der im Anschluß daran gegebenen Ravel-Zugabe wird, wie schon im Elgar, ein ganz zentraler Punkt der Handschrift Nézet-Séguins bestätigt: Transparenz. Ist es hier beispielsweise die Harfe, welche ganz klar das feine Klanggewebe durchglitzert, waren es im Nimrod die Celli, die ich so präsent als Teil des Streichergefüges noch nie wahrgenommen hatte. In jedem Fall ist der Mann prädestiniert für das Sanfte, Schwebende, „Französische“ – ich bin mehr als gespannt auf das baldige Wiedersehen mit seinen Kollegen aus Philadelphia und Bernstein sowie Tschaikowsky im Gepäck – damit hätte ich dann auch Nézet-Séguins aktuelles Orchesterportfolio komplett.

Laut der kleinen Ansprache seines Chefdirigenten handelt es sich um die erste (Europa?-)Tournee des Orchestre Métropolitain de Montréal seit seinem Bestehen – ich will doch schwer hoffen, dass der Reisewille nach umjubelten Konzerten wie diesem für die Zukunft endgültig geweckt ist.

28. September 2011

Rotterdams Philharmonisch Orkest – Yannick Nézet-Séguin.
Laeiszhalle Hamburg.

20:00 Uhr, Parkett links, Reihe 5, Platz 16


Wolfgang Amadeus Mozart – Konzert für Violine und Orchester G-Dur KV 216 (Veronika Eberle)
Zugabe: Sergej Prokofjew
– Sonate für Violine solo D-Dur op. 115 (2. Satz: Thema und Variationen: Andante dolce)

(Pause)

Anton Bruckner – Sinfonie Nr. 8 c-Moll (Robert Haas)



Wird Herr Nézet-Séguin allen Ortens schon als neuer Stern am Dirigentenhimmel gepriesen, kann ich nach dem heutigen Abend nur bedingt in diesen astrologischen Chor einstimmen. Mein schlichtes Fazit: ein guter Dirigent mit seinem guten Orchester (nebst guter Solistin) sorgt für ein gutes Konzert – nicht mehr und nicht weniger.

Im Einzelnen: Das Orchester ist nicht schlecht, besitzt allerdings in keiner Instrumentengruppe etwas, das es in meiner Wahrnehmung besonders hervortreten ließe. So entsteht ein ordentlicher, ein guter Klang - aber eben kein außerordentlicher. Auch der Solistin im Mozartkonzert läßt sich nichts vorwerfen, außer daß mich ihr Ton Mozart eben nicht näher gebracht hat. Es geht nun mal zarter, virtuoser, geschmeidiger ...

Nezét-Séguins Mozartinterpretation gibt mir nichts. Sie erwärmt mich nicht für eine Musik, zu der ich ohnehin kaum Zugang besitze. Sein Bruckner ist nicht schlecht, in jedem Fall gestaltet und nicht nur abgespult, aber auch keine Offenbarung. Wie gesagt, sicher ein brauchbarer Mann, jedoch in meinen Augen kein Überflieger. Jugend allein ist keine Auszeichnung, auch wenn sie offenbar beim Publikum gut ankommt.